Ich bin 1963 in Berlin geboren. Seit ich zehn bin, bin ich eine echte Leseratte. Seitdem ich 18 bin, bin ich Vegetarier. Habe in Frankfurt am Main Sozialarbeit studiert, lange in der Altenpflege gearbeitet, war danach in verschiedenen Positionen und Bereichen eingesetzt und sehe heute die wahre Sozialarbeit in der Gesundheitsberatung.
Denn worin soll denn die "Hilfe zur Selbsthilfe" bestehen, wenn nicht in der Aufklärung über Gesunde Lebensweise?
Lange Fassung:
In jedem Lebenslauf gibt es die äußeren Daten und die innere Geschichte.
Hier zunächst die äußeren Daten:
Geboren 1963 in West-Berlin
1981 Abitur abgebrochen
1982 Lehre abgebrochen
1985 wieder Lehre abgebrochen
1988 Abitur über die Abendschule
1989 Umzug nach Frankfurt am Main
und Beginn des Studiums als Sozialarbeiter
1992 Diplom
1993 Staatliche Anerkennung
1993-2000: Tätigkeiten als Erzieher, Sozialarbeiter,
Absolvent einer Weiterbildung und Altenpfleger
Seit 2000: Versandmitarbeiter in einer Werkzeugfirma
2006-2009: Mitarbeiter in einem Sanitätshaus
2009-2010: Weiterbildung zum Ärztlich geprüften Gesundheitscoach
Die innere Geschichte ist lang und kompliziert, und ich möchte sie nur anreißen.
Die oben aufgeführten Abbrüche zeigen schon, dass ich kein leichter Fall war. Mein Thema war: Wie soll ich den Weg zur Erleuchtung gehen und gleichzeitig in der modernen Leistungsgesellschaft zurechtkommen? Wie soll ich im Einklang mit der Natur leben und gleichzeitig meinen Platz in der modernen Zivilisation finden? Wie soll ich nur noch Gott lieben und gleichzeitig mit meinen Partnerschaftssehnsüchten zurechtkommen?
Für die Meisten beinhalten diese Rätsel keine großen Konflikte. Für mich aber waren es gordische Knoten, an deren Lösung mein Leben hing.
Hermann Hesse schreibt:
„Auf dem Weg von der Jünglingszeit zum Mannesalter sind die beiden Hauptstufen: Das Innewerden und Bewusstmachen des eigenen Ich, und dann die Einordnung dieses Ich in die Gemeinschaft. Je einfacher und problemloser ein Jüngling ist, desto weniger Beschwerden werden beide Aufgaben ihm bereiten. Die stärker differenzierten und begabten Naturen haben es schwerer, am schwersten die, denen nicht ein Spezialtalent von selber den Weg zeigt. Jedes Leben aber ist ein Wagnis, und das Gleichgewicht zwischen den persönlichen Gaben und Trieben und den sozialen Forderungen muß immer neu gefunden werden; es geht nie ohne Opfer, nie ohne Fehler…“
Es ist keine Ehre und kein Vorzug, konfliktbehaftet zu sein, sondern es ist eine große Not, und die Verachtung der Jugend gegenüber den scheinbar konfliktfreien „Dumpfbacken“, die sich so leicht und sicher und behaglich in die Verhältnisse einzuordnen vermögen, weicht immer mehr einem erwachsenen Respektieren des Nächsten. Denn jeder hat seine Kämpfe, auf seine Weise, und jeder macht seine Schritte, auf seine Weise.
Die Axt, mit der es mir gelang, den gordischen Knoten meines Lebens aufzulösen, war die Idee vom Dienen. Deshalb habe ich Sozialarbeit studiert und die meiste Zeit meines bisherigen Berufslebens alte Leute gepflegt. Aber mittlerweile weiß ich, dass man in jedem Beruf seinen Mitmenschen dienen kann, nicht nur in den sogenannten „Helferberufen“, und ich möchte mich nun mehr darum kümmern, auch meine Gaben und Fähigkeiten zu entfalten.
Seit ich etwa zehn Jahre alt war, bin ich ein Bücherwurm. Lesen und Schreiben hat nicht nur meine offizielle Ausbildung, sondern mein ganzes Leben und Lernen begleitet, und so möchte ich nun auch diese Gaben entfalten, um meinen Mitmenschen zu dienen. Mit 10 entdeckte ich Juri Korinetz, mit 12 Lama Anagarika Govinda (Der Weg der Weißen Wolke), mit 14 Hermann Hesse, mit 16 Carlos Castaneda, mit 17 Ramana Maharshi (Hermann Zimmer: Weg zum Selbst), mit 18 Paramahansa Yogananda (Autobiographie eines Yogi) und die Schriften des damaligen Heimholungswerkes, später "Universelles Leben", mit 26 Are Waerland, durch den ich zu einer Synthese für alle meine Interessen und Bestrebungen finden sollte, durch den ich zu einer Religionsauffasung gelangen sollte, die den Menschen zum ersten Mal ganzheitlich betrachtet.
Es gibt immer wieder junge Männer, die "aus der Rolle fallen", die nicht den üblichen Weg gehen wollen, die in die Wüste gehen oder einmal zu Fuß um die Erde wandern oder im Wald leben wollen und nur noch sich mit den Vögeln unterhalten. Ich war auch so einer. Wenn mich einer fragen würde: "Mit 17 hat man noch Träume, erinnern Sie sich, welche?", so würde meine Antwort etwas außergewöhnlich ausfallen: Ich wollte in einer Höhle leben und meditieren, bis ich die Erleuchtung habe. Ob ein solcher Weg richtig oder falsch ist, das will und kann ich gar nicht beurteilen. Ich will nur denen berichten, die solches auch vorhaben, dass ich es versucht habe und wieder umgedreht bin. Ich bin wieder umgedreht, lebe wieder in der Zivilisation und habe es nicht bereut. Es gibt keinen universell richtigen Weg, jeder Mensch ist verschieden. Aber ich glaube doch etwas grundsätzlich sagen zu können, was ich früher so nicht geglaubt habe: Es ist nicht verkehrt, in der Zivilisation zu leben, es widerspricht nicht einem spirituellen Leben, in der Zivilisation zu leben, das Gebot "Bete und Arbeite" zu erfüllen ist ein göttliches Gesetz. Ich glaube auch heute, dass die Vorgeschichte der Menschheit nicht auf den Bäumen lag, sondern in einer Hochzivilisation mit einer wunderbaren Kultur und mit einer Technik, die sich im Einklang mit der Natur befand. Deshalb wird eine solche Hochzivilisation auch wieder die Zukunft der Menschheit sein, und mein Ziel ist es, daran mitzuarbeiten. "Die Erleuchtung" gibt es, aber sie kann eines nicht ersetzen:
Das Wachstum, den Prozess, das lebenslange Lernen. Wir lernen in der Arbeit, wir lernen in den Begegnungen mit unseren Mitmenschen, wir lernen, wenn wir uns selber die Möglichkeit geben, uns kreativ zu entfalten. Die Höhle, die Wüste, der Wald... geben uns auch Lernmöglichkeiten. Aber ob es die Lernmöglichkeiten sind, die wir auf unserer derzeitigen Entwicklungsstufe brauchen? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber dass es die einzigen Orte sind, wo Erleuchtung gefunden werden kann, das ist definitiv nicht wahr, denn Erleuchtung ist überall!
Erleuchtung ist das Ziel, aber der Weg des Dienens führt an einen Punkt, wo man sich gar nicht mehr darüber sorgt, ob ich erleuchtet werde, wann ich erleuchtet werde, wie ich erleuchtet werde, weil dieses ICH dann nämlich gar nicht mehr so wichtig ist.
Hermann Hesse sagt, viel wichtiger als die Erleuchtung sei die LIEBE. Ich habe das früher heftig abgelehnt, weil ich dachte, man fügt sich durch solche Gedanken bloß in seine Mittelmäßigkeit. Heute sehe ich das anders, nämlich so, dass Gott mir zur rechten Zeit die Erkenntnisse und mystischen Erlebnisse schenkt, wie es für mich gut ist. Wichtig ist nur, dass ich mich JETZT im göttlichen Gesetz bewege. Das Gesetz ist der Strom der göttlichen Liebe. Das führt mich immer zur optimalen Ausnutzung meines derzeitigen Potentials und meiner derzeitigen Entwicklungsmöglichkeiten.
Mit 20 zog ich in die Höhle und kehrte in die Zivilisation zurück. Wieder Lehre, wieder Scheitern, das Ziel Schriftsteller, das mich von Anfang an begleitete, war wie eine leere Hülse: Ich konnte nicht einfach den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und auf meine Inspirationen warten. Ich brauchte ein äußeres Ziel, das mir einen Erfahrungshorizont vermitteln könnte: Sozialarbeiter! Abitur in der Abendschule nachgemacht und tagsüber gearbeitet, dann studiert und abends gearbeitet (immer Altenpfleger im Ambulanten Dienst). Ich habe diese Ziele erreicht: Abitur, Diplom, Staatliche Anerkennung. Das alles ist an sich nichts. Aber der Weg ist das Ziel, der Weg, der sich aus dem Verfolgen dieser Ziele ergab, führte mich zu Orten und Menschen, zu Erfahrungen und Einsichten. Dann über 1 Jahr als Sozialarbeiter in einem Altenheim gearbeitet, aus mehreren Gründen die Stelle gekündigt, dann nichts mehr als Sozialarbeiter gefunden, dann wollte ich dem auf den Grund gehen, was mich anscheinend immer verfolgt hatte: die Altenarbeit. Nach der Lehre dachte ich, ich wäre damit fertig, genauso nach dem Abitur, genauso nach dem Studium: Aber immer war es der Weg, der sich mir danach aufs Neue in irgendeiner Form anbot. Nun sagte ich mir, nun fliehe ich nicht mehr davor, nun mache ich es zu meinem Thema: Ich machte eine Weiterbildung zum "Geronto-Sozialtherapeuten", die mir wenig brachte, vor allem keine neue Stelle als Sozialarbeiter. Nach einem halben Jahr Suche biss ich in den sauren Apfel und wurde nun Altenpfleger in einem Pflegeheim. Da steckte aber auch ein Stück Überzeugungstäter drin: Denn ich hatte längst gemerkt, dass die Bewohner der Altenheime immer weniger rüstige Rentner waren und immer mehr Pflegefälle. Sie brauchten kein "Ringelpiez mit Anfassen", sondern die Hinwendung des Einzelnen. Ihre wahren Vertrauenspersonen waren weniger die Sozialarbeiter als die Pflegekräfte, die denen sie ihre Gebisse und schmutzigen Windeln anvertrauten, die die sich vor ihnen bückten, um ihnen die Socken anzuziehen. Ich tat diese Arbeit, und da war ich wie Zwerg Nase in der Küche, keine leichte Zeit, aber gewinnbringend. Diese ganze Reise führte mich zum GRUND der Altenarbeit, ich gelangte zur Bestimmung, die in der Altenarbeit auf mich wartete, die Perle auf dem Grund des Meeres, der Diamant in der Erde... Die Altenarbeit führte mich unweigerlich zu dem, dem ich ebenfalls lange Zeit ausgewichen war: zur Erforschung der gesunden Lebensweise. Sie zwang mich dazu, die Ursachen der Altersgebrechlichkeit zu erforschen und um eine Lösung zu ringen. So entstand mein erstes Gesundheitsbuch: "Gesund sein bis ins hohe Alter". Nachdem ich diese Bestimmung erfüllt hatte, war ich nicht mehr an die Altenarbeit gefesselt. Das war der Zenit, der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung, die Frucht, die darin für mich lag. Ich durfte diesen Schatz heben und war nicht mehr gebunden. Noch etwa 1 1/2 Jahre blieb ich Altenpfleger, merkte die Unruhe in mir, merkte, dass etwas anderes anstand, wusste aber noch nicht was, wechselte in der letzten Zeit zwei Mal das Altenheim, ließ es dann und begann, da ich als Sozialarbeiter immer noch nirgends ankam, erst mal in einer Zeitarbeitsfirma.
Das Jahr 2000 war ein Jahr der Wandlung. Da war ich 37 und innerhalb kürzester Zeit hat meine Lebensodyssee eine etwas geordnetere Bahn gefunden, die mir etwas mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit schenkte: Neuer Job (Versandmitarbeiter in einer Werkzeugfirma), neue Wohnung (klein aber mein!), neue Gemeinschaft (Die Tierschutzpartei) und auch eine neue Partnerschaft.
Es ist eine fantastische Erfahrung, dass quasi das ganze Leben (Wohnung, Job, Gemeinschaft, Partnerschaft) sich innerhalb weniger Monate total umkrempeln kann, und dass dann die neuen Verhältnisse uns für Jahre einen neuen Lebensrahmen bieten.
Das Jahr 2006 war wieder ein solches Jahr der Wandlung. Die seit sechs Jahren bestehende Partnerschaft ging auseinander, aber eine neue Partnerschaft bahnte sich an, und zwar in einem ganz anderen Bundesland. Wie sollen wir zueinanderkommen? Ich habe mir gesagt, ich folge meinem Herzen. Seinem Herzen folgen bedeutet immer einen Schritt ins Ungewisse. Vor einer solchen Entscheidung drückt man sich gerne, denn man möchte ja auch die äußere Sicherheit. Aber das ist nicht der Weg von Sterntalerchen. Sterntalerchen wurde reich beschenkt, weil sie nur ihrem Herzen gefolgt ist. Ich habe meine Herzensentscheidung getroffen trotz lauter äußerer Unwägbarkeiten. Nun zeigte es sich, dass der Weg des Herzens der Weg zur Fülle ist und die wahre Leitschnur unserer Entscheidungen sein sollte. Nun zeigte es sich nämlich, dass auch beruflich neue Türen aufgingen. Hätte ich das vorher gewusst, dann wäre mir die Entscheidung wohl leichter gemacht worden, aber es wäre wahrscheinlich nicht die Herzensentscheidung gewesen.
Wenn wir unserem Herzen folgen, dann lösen sich alle äußeren Probleme von selbst!
Im April 2009 wurde mir meine letzte Stelle als kaufmännischer Mitarbeiter in einem Sanitätshaus gekündigt. Nun machte ich bis Ende März 2010 eine Weiterbildung zum "Ärztlich geprüften Gesundheitscoach". Auch hierin bin ich nur wieder der Stimme meines Herzens gefolgt. Ich vertraute dem Weg des Herzens und dass er mich in ein neues Wirkungsfeld führen wird. Nun habe ich direkt im Anschluss eine neue Stelle als Sozialarbeiter gefunden: Nach 15 Jahren endlich wieder eine Stelle in meinem Beruf! Und dazu noch ganz in der Nähe meines jetztigen Wohnortes!
Seit über 3 Jahren leben Karin und ich nun zusammen, und wir haben unsere Entscheidung nicht bereut. Kennengelernt übers Internet und gleich zusammengezogen. Es war manchmal nicht leicht. Aber bis jetzt sind wir aus jeder Krise gestärkt hervorgegangen. Dafür, dass so etwas gut geht, gibt es natürlich keine Garantie und keine pauschale Empfehlung. Es gibt aber sowieso keine pauschale Empfehlung, wie denn der "normale" Weg sein soll. Nur die Eine:
Folge Deinem Herzen!
Karin & Sebastian, Hochzeit am 24.07.2009 in Aabenraa / Dänemark